FLUGHAFEN BRATISLAVA: VON DER ERHOLUNG ZUM REGIONALEN HUB
Exklusives strategisches Interview mit CEO Dušan Novota über Rekordwachstum, operative Skalierung und EU-Infrastrukturambitionen
Interviewdatum: Dezember 2025
Interviewpartner: Dušan Novota, CEO und Vorsitzender des Vorstands, Flughafen M. R. Štefánik Bratislava (BTS)
Format: Schriftliches Interview
—
Der Flughafen Bratislava (BTS) hat einen kritischen Schwellenwert in seiner institutionellen Entwicklung erreicht. Nach 16 aufeinanderfolgenden Jahren mit finanziellen Verlusten erzielte der Flughafen im Jahr 2024 einen Gewinn von 2,499 Mio. Euro. Dies stellt einen Wendepunkt dar und signalisiert den Übergang von der reinen Erholung hin zu einem potenziellen strukturellen Vorteil in der mitteleuropäischen Luftfahrt.
Dieser Gewinn ging mit einem beispiellosen Wachstum einher. Das Passagieraufkommen stieg 2024 auf 2,4 Millionen und erreichte damit den höchsten Stand seit 2019. Treiber dieser Entwicklung waren transformative Partnerschaften mit zwei großen Low-Cost-Carriern, Ryanair und Wizz Air, die ihre mitteleuropäischen Aktivitäten parallel ausbauten. Ryanair bedient inzwischen 33 Strecken ab Bratislava mit einer Drei-Flugzeuge-Basis. Wizz Air eröffnete im November 2025 seine Vier-Flugzeuge-Basis und skalierte unmittelbar von zwei Strecken auf 29 planmäßige Verbindungen.
Noch bemerkenswerter ist die Positionierung von BTS an der Schnittstelle von drei strukturellen Trends, die die europäische Luftfahrtinfrastruktur im kommenden Jahrzehnt prägen werden.
1. Konsolidierung der Low-Cost-Carrier.
Das Dual-Carrier-Modell in Bratislava, bei dem Ryanair und Wizz Air gleichzeitig expandieren, statt um eine exklusive Dominanz zu konkurrieren, stellt unter regionalen europäischen Flughäfen eine seltene Konfiguration dar. Es schafft Netzdichte mit 62 kombinierten Strecken, Kapazitätsredundanz und wettbewerbsfähige Preise für Passagiere. Gleichzeitig erhöht es jedoch ein operatives Konzentrationsrisiko, das in der gängigen Luftfahrtberichterstattung bislang kaum thematisiert wird.
2. Transformation zum regionalen Hub.
Mit insgesamt 62 internationalen Strecken entwickelt sich BTS von einem „Sekundärflughafen“ zu einem echten regionalen Verteilungsknoten für Mitteleuropa. Diese Transformation erfolgt jedoch innerhalb eines Terminals aus dem Jahr 2012, das für 5 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt ist. Die Infrastruktur ist kapazitiv ausreichend, stößt operativ jedoch zunehmend an ihre Grenzen.
3. EU-Infrastruktur-Neuausrichtung.
Der Connecting-Europe-Facility-Rahmen der Europäischen Union nach 2027, dessen Mittel im Vergleich zu 2014–2020 verdoppelt oder verdreifacht werden, eröffnet beispiellose Kofinanzierungsmöglichkeiten für Flughäfen in geopolitischen „Brückenlagen“ wie der Slowakei. Die Führung von BTS positioniert sich bereits gezielt für diese Ressourcen, insbesondere über den neuen Finanzierungsrahmen für militärische Mobilität. Dies ist ein strategisch anspruchsvoller Schritt, den viele vergleichbare Flughäfen bislang noch nicht erkannt haben.
Vor diesem Hintergrund führte Aviaedge dieses exklusive strategische Interview mit CEO Dušan Novota, um zu analysieren, wie die Führung von BTS das Rekordwachstum der Passagierzahlen mit Prognosen von über 4 Millionen jährlich steuern will, wie die operative Qualität trotz infrastruktureller Einschränkungen gesichert werden soll, wie EU-Fördermittel für kritische Erweiterungen erschlossen werden können und wie sich der wichtigste Flughafen der Slowakei für das kommende Jahrzehnt der mitteleuropäischen Integration positioniert.
Die nachfolgenden Erkenntnisse, von denen viele hier erstmals in strategischer Tiefe behandelt werden, zeigen ein professionelles Flughafenmanagement, das diszipliniertes Wachstum in einem Umfeld struktureller Chancen umsetzt. Gleichzeitig werden Verwundbarkeiten, Lücken und Konzentrationsrisiken sichtbar, die die Aufmerksamkeit von Investoren, politischen Entscheidungsträgern sowie von Flughafenbetreibern in der Ukraine, Polen, Tschechien und auf dem Balkan verdienen.
Frage 1: Ausbalancierung von schnellem Wachstum mit operativer Stabilität und Infrastrukturkapazität
Nachdem der Flughafen Bratislava (BTS) erstmals seit 2019 die Marke von 2 Millionen Passagieren überschritten hat und sowohl Ryanair mit 33 Strecken und einem Rekordsommerflugplan 2026 als auch Wizz Air mit einer Vier-Flugzeuge-Basis und 29 Strecken gleichzeitig expandieren, welche drei strategischen Prioritäten stehen für Sie in den Jahren 2026–2027 im Vordergrund, und wie wollen Sie das rasche Wachstum mit operativer Qualität und vorhandener Infrastrukturkapazität in Einklang bringen?
„Der Flughafen Bratislava hat in diesem Jahr einen bemerkenswerten historischen Meilenstein erreicht und ein beispielloses Wachstum erlebt. Unsere intensivierte Zusammenarbeit mit Ryanair hat die Aufnahme zahlreicher neuer Strecken ermöglicht, zudem hat die Fluggesellschaft ein drittes Flugzeug an ihrer Basis in Bratislava stationiert und damit ihr Streckennetz erheblich erweitert. Gleichzeitig konnten wir ein substanzielles Wachstum mit Wizz Air sichern, die Mitte November ihre Basis in Bratislava eröffnet hat. Infolgedessen wird die Airline ihr Angebot von lediglich zwei Strecken auf bis zu 29 planmäßige Verbindungen ausbauen, die von vier stationierten Flugzeugen bedient werden. Dank dieser Expansion werden wir bereits in diesem Jahr einen neuen historischen Passagierrekord von rund 2,4 Millionen Fluggästen erreichen und damit den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2019 übertreffen“, so Dušan Novota.
Die Dual-Carrier-Konsolidierung mit Ryanair (33 Strecken) und Wizz Air (29 Strecken), insgesamt 62 Verbindungen, schafft eine seltene Netzdichte in Mittel- und Osteuropa. Das Passagieraufkommen von 2,4 Millionen im Jahr 2024 im Vergleich zum bisherigen Höchststand von 2019 belegt eine nachhaltige Erholung nach der COVID-19-Pandemie.
„Mit Blick nach vorn erwarten wir, getragen vom Wachstum von Ryanair und Wizz Air, unseren bestehenden Airline-Partnern, sowie von starken Charteraktivitäten der Reiseveranstalter, ein außergewöhnlich dynamisches weiteres Wachstum. Die Prognosen gehen von mehr als 4 Millionen Passagieren jährlich aus.
Die Infrastruktur des Flughafens M. R. Štefánik, die zwischen 2010 und 2012 modernisiert wurde, ist für ein jährliches Passagieraufkommen von bis zu 5 Millionen ausgelegt, sodass die Kapazität grundsätzlich ausreichend ist. Allerdings sind mehrere operative Anpassungen erforderlich, um dieses Wachstumstempo zu bewältigen. Dazu zählen der Ausbau der Sicherheitskontrollen, die Rekrutierung zusätzlichen Personals, die Anschaffung neuer Abfertigungsgeräte sowie die Erweiterung der Parkkapazitäten. Aus operativer Sicht bereiten wir uns sehr sorgfältig darauf vor, dieses schnelle Wachstum zu managen und gleichzeitig eine hohe Servicequalität sicherzustellen“, so Dušan Novota.
Ein Kapazitätspuffer von 25 % (Auslegung für 5 Mio. Passagiere gegenüber einem Zielwert von 4 Mio.) stellt im Vergleich zu den Kapazitätsengpässen in KRK und PRG einen strukturellen Vorteil dar. Die laufende Prozessoptimierung ist Ausdruck zunehmender operativer Reife. Dabei ist zu beachten, dass sich dieser Spielraum auf den jährlichen Durchsatz bezieht und nicht auf die Spitzenstunden. In diesen bleiben insbesondere die Sicherheitskontrollen, die Abfertigung von Non-Schengen-Verkehren sowie die Vorfeldressourcen die zentralen Engpassfaktoren.
„Neben der Sicherstellung hoher operativer Standards und eines starken Niveaus im Kundenservice liegt unser Fokus weiterhin auf nachhaltigem Wachstum. Eine unserer zentralen strategischen Prioritäten, zusätzlich zu den bereits genannten, ist die Stärkung der Anbindung Bratislavas an große europäische Drehkreuze und darüber hinaus die Verbesserung indirekter Verbindungen zu interkontinentalen Zielen. Parallel dazu wollen wir auch den weiteren Ausbau von Mittel- und Langstreckenverbindungen vorantreiben“, so Dušan Novota.
Die Hub-Feeder-Strategie über MUC, FRA und LHR positioniert den Flughafen Bratislava als einen anspruchsvollen Verteilungsknoten in Mittel- und Osteuropa und nicht als konkurrierenden Langstrecken-Hub.
Frage 2: Cargo-Wachstum und die Investitionsentscheidung für ein Cargo-Terminal
Im ersten Quartal 2025 stieg das Frachtaufkommen im Jahresvergleich um 65 %, getragen insbesondere von der Automobilindustrie und zeitkritischer Logistik durch Partnerschaften mit DHL, MNG Airlines und BBN Airlines Türkiye. Wie sieht Ihre Fünfjahresvision für BTS als Cargo- und Logistikhub aus, und wie ergänzt diese die Wachstumsstrategie im Passagierbereich?
„Rund 95 % des gesamten in Bratislava abgefertigten Frachtaufkommens werden von European Air Transport transportiert, das DHL-Flüge durchführt. Die Airline bedient werktags ein- bis zweimal täglich Frachtverbindungen zwischen Leipzig in Deutschland und Bratislava sowie zurück. Andere Betreiber führen lediglich kleinere, ad hoc durchgeführte Frachtflüge durch, in der Regel für den Transport von Komponenten für Automobilhersteller in der Slowakei“, so Dušan Novota.
Die bilaterale Effizienz mit DHL treibt das Wachstum, allerdings besteht ohne dedizierte Infrastruktur eine strukturelle Obergrenze. Der Automobilcluster von VW, PSA und JLR schafft dabei eine verteidigungsfähige Nische.
„Das Wachstum unseres Frachtaufkommens wird daher hauptsächlich von DHL und den größeren Flugzeugtypen getragen, die dort eingesetzt werden, wenngleich wir auch eine Zunahme beim Transport anderer Waren verzeichnen. Uns ist sehr bewusst, dass die Entwicklung der Cargo-Aktivitäten in Bratislava durch den Bau eines dedizierten Cargo-Terminals erheblich gestärkt würde. Solange eine solche Anlage nicht errichtet ist, können sich die Frachtverkehre am Flughafen nicht in einem deutlich größeren Umfang entwickeln“, so Dušan Novota.
Klare CAPEX-Erkenntnis. Ein dediziertes Cargo-Terminal würde auf Basis vergleichbarer Cargo-Flughäfen in Mittel- und Osteuropa das adressierbare Logistikvolumen substanziell erweitern. Die Förderlinien der CEF Transport und Military Mobility passen ideal zu dieser NATO-Randlage.
Frage 3: Profitabilität trotz Skalierung – der finanzielle Turnaround
BTS meldete für 2024 einen Gewinn von 2,499 Mio. Euro. Dies ist der erste positive Jahresabschluss seit 16 Jahren. Gleichzeitig wurden die Energiekosten um 35 % gesenkt und die Betriebskosten um 5 % reduziert. Welche zentralen operativen und investiven Entscheidungen haben diesen Turnaround ermöglicht, und wie wollen Sie die Profitabilität angesichts der notwendigen Infrastrukturinvestitionen für 3–4 Millionen Passagiere im Jahr 2026 sichern?
„Dies war ein außergewöhnliches finanzielles Ergebnis, insbesondere vor dem Hintergrund, dass BTS in den vergangenen Jahren überwiegend Verluste verzeichnete, die vor allem auf hohe Betriebskosten wie Energie, Personalaufwand, Abschreibungen sowie Zinszahlungen zurückzuführen waren. Im Jahr 2024 stiegen unsere luftfahrtbezogenen Erlöse infolge der wachsenden Passagierzahlen deutlich an.
Zudem verzeichnete der Flughafen höhere Einnahmen aus Abfertigungsleistungen, bedingt durch den Einsatz schwererer Flugzeugtypen, insbesondere der Kategorie E. Parallel dazu legten auch die Non-Aviation-Erlöse zu, darunter Mieteinnahmen sowie höhere Erträge aus dem Betrieb des Parkplatzes P3, und dies ohne eine Erhöhung der Parkgebühren.
Gleichzeitig ist es dem Flughafen gelungen, die Energiekosten um 35 % zu senken und die Betriebskosten um 5 % zu reduzieren, obwohl der Großteil dieser Kosten fix ist“, so Dušan Novota.
Eine Marge von 1,04 Euro pro Passagier im Jahr 2024 deutet auf ein Gewinnpotenzial von 4–5 Mio. Euro bei einem Passagieraufkommen von 4 Mio. hin, vorausgesetzt, die Kostendisziplin bei den Fixkosten bleibt erhalten und die Erlösstrukturen der Airlines bleiben stabil. Die Kombination aus Fixkostenhebel und konsequentem Yield-Management stützt damit ein nachhaltig tragfähiges regionales Geschäftsmodell.
„Was größere Investitionen betrifft, so zählt die Beschaffung mindestens einer Fluggastbrücke im Jahr 2026 zu unseren Prioritäten“, so Dušan Novota.
Die Investition in eine Passenger Boarding Bridge beschleunigt die Flugzeugabfertigung durch kürzere Umlaufzeiten von etwa 20–25 Minuten und wirkt damit volumen- und erlössteigernd.
Frage 4: Nationale Konnektivität – Bratislava–Košice als Modell einer öffentlichen Verkehrsleistung
Die Aufnahme der Inlandsverbindung Bratislava–Košice im November 2025 markiert die erste planmäßige innerstaatliche Flugverbindung seit sechs Jahren. Wie sieht BTS seine Rolle bei der Anbindung der sekundären Städte der Slowakei, und welche regulatorischen oder kommerziellen Hürden haben die Entwicklung des Inlandsflugverkehrs in der Vergangenheit begrenzt?
„Abgesehen von der kürzlich aufgenommenen Inlandsverbindung zwischen Bratislava und Košice, die aus unserer Sicht das Potenzial für eine nachhaltige Entwicklung hat, besteht nur ein begrenztes kommerzielles Potenzial für weitere innerstaatliche Flugverbindungen. Dies ist vor allem auf die geografischen Gegebenheiten der Slowakei und die kurzen Distanzen zurückzuführen, da der Inlandsflugverkehr für slowakische Passagiere keine gängige Reisegewohnheit darstellt, die traditionell andere Verkehrsmittel nutzen. Nichtsdestotrotz werden wir die Situation weiterhin beobachten und, sollten sich entsprechende Möglichkeiten ergeben, aktiv mit Fluggesellschaften in Kontakt treten, um diese zu prüfen“, so Dušan Novota.

Frühe Auslastungszahlen deuten auf eine nachhaltige Nachfrage auch über den PSO-Zeitraum hinaus hin. Das Koordinationsmodell zwischen Ministerium, Flughafen und Airline könnte als Blaupause für andere Märkte in Mittel- und Osteuropa dienen.
„Abgesehen von der kürzlich aufgenommenen Inlandsverbindung zwischen Bratislava und Košice, die aus unserer Sicht das Potenzial für eine nachhaltige Entwicklung hat, besteht nur ein begrenztes kommerzielles Potenzial für weitere innerstaatliche Flugverbindungen. Dies ist vor allem auf die geografischen Gegebenheiten der Slowakei und die kurzen Distanzen zurückzuführen, da der Inlandsflugverkehr für slowakische Passagiere keine gängige Reisegewohnheit darstellt, die traditionell andere Verkehrsmittel nutzen. Nichtsdestotrotz werden wir die Situation weiterhin beobachten und, sollten sich entsprechende Möglichkeiten ergeben, aktiv mit Fluggesellschaften in Kontakt treten, um diese zu prüfen“, so Dušan Novota.
Geografischer Realismus sorgt hier für eine glaubwürdige Positionierung und hebt sich deutlich von den oftmals rein ambitionierten Inlandsnetz-Behauptungen kleinerer CEE-Märkte ab.
Frage 5: Sustainable Aviation Fuel (SAF) und ökologische Führungsrolle
Die slowakische Raffinerie Slovnaft produziert SAF, und die EU-Verordnung ReFuelEU Aviation schreibt ab 2025 eine SAF-Beimischung von 2 % vor, die bis 2050 auf 70 % ansteigen soll. Arbeitet BTS mit Fluggesellschaften zusammen, um die SAF-Infrastruktur sicherzustellen, und welche Nachhaltigkeitszertifizierungen oder Ziele in Richtung Klimaneutralität verfolgt der Flughafen?
„Im Jahr 2025 hat der Flughafen Bratislava die verpflichtende SAF-Quote von 2 % bereits erfüllt. Der Flughafen Bratislava arbeitet jedoch nicht direkt mit den Fluggesellschaften zusammen, um dieses Ziel zu erreichen. Wir verfügen über einen Vertrag mit dem Treibstofflieferanten Slovnaft, der die einschlägigen europäischen Vorschriften überwacht und die Betankung der Flugzeuge für die Airlines sicherstellt.
Darüber hinaus setzen wir eine Reihe kleinerer Maßnahmen um, die ebenfalls zum Umweltschutz beitragen. Wir streben den Einsatz von Elektrofahrzeugen auf dem Vorfeld an, haben unsere Beleuchtungssysteme auf energieeffiziente LED-Technologie umgestellt und arbeiten aktiv an verschiedenen ESG-Initiativen“, so Dušan Novota.
Die ReFuelEU-Konformität, ermöglicht durch die lokale, ISCC-zertifizierte SAF-Produktion, positioniert BTS klar im Einklang mit den europäischen Nachhaltigkeitsvorgaben.
Frage 6: Terminalkapazität, Infrastrukturmodernisierung und Zeitplan für Erweiterungen
Der Flughafen Bratislava (BTS) wird derzeit über ein einziges Terminal betrieben, dessen Infrastruktur zuletzt zwischen 2010 und 2012 modernisiert wurde. Vor dem Hintergrund der weiteren Expansion von Wizz Air mit zusätzlichen Flugzeugen sowie des Wachstums von Ryanair. Wie hoch ist Ihre Zuversicht, dass die bestehenden Anlagen ein Passagieraufkommen von 3–4 Millionen ohne Terminalerweiterung bewältigen können. Und wie sehen der Zeitplan sowie die Finanzierungsmechanismen für geplante Modernisierungen aus.
„Die Infrastruktur des Flughafens M. R. Štefánik, die zwischen 2010 und 2012 rekonstruiert wurde, ist für bis zu 5 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt, sodass unsere Kapazität grundsätzlich ausreichend ist. Da der überwiegende Teil unserer Passagiere aus Nicht-Schengen-Staaten abfliegt oder dort ankommt, möchten wir insbesondere die für diese Reisenden vorgesehenen Terminalbereiche verbessern. Geplant ist eine Erweiterung der Sitzbereiche sowie des kommerziellen Angebots in diesem Teil des Flughafens“, so Dušan Novota.
Bei einer jährlichen Auslastung von rund 48 bis 80 Prozent (2,4 bis 4 Millionen Passagiere) bleibt der Betrieb innerhalb der ursprünglichen Auslegungsparameter. Der Komfort in Spitzenstunden hängt jedoch weniger von einer Terminalerweiterung als vielmehr von gezielten operativen Anpassungen ab. Insbesondere die landseitigen Non-Schengen-Bereiche adressieren dabei Passagiersegmente mit hoher Aufenthaltsdauer und überdurchschnittlichen Non-Aviation-Erlösen.
https://www.routesonline.com/airports/5277/bratislava-international-airport/news/299664562/bts-airport-reports-its-best-financial-results-in-16-years/
„Größere strukturelle Veränderungen erfordern allerdings einen längeren Umsetzungszeitraum“, ergänzte Dušan Novota.
Die zeitliche Ausrichtung auf den CEF-Finanzierungsrahmen 2028–2034 spricht dafür, dass umfassende Neubau- oder Greenfield-Erweiterungen erst in der Zeit nach 2030 realistisch sind.
Frage 7: Diversifizierung der kommerziellen Erlöse – Retail, F&B und Konzessionen
Während Duty-free- und Retailflächen vorhanden sind, gelten sie bislang als untergenutzt. Welche Potenziale sehen Sie jenseits des Parkplatzbetriebs (P3) für den Ausbau von Einzelhandel, Gastronomie, Lounges oder weiteren kommerziellen Konzessionen, um den Erlös pro Passagier zu steigern und die Abhängigkeit von Flughafenentgelten zu reduzieren?
„Mit dem Wachstum des Passagieraufkommens verzeichnen wir auch ein zunehmendes Interesse von Einzelhandelsbetreibern, sich am Flughafen Bratislava anzusiedeln. So wurde Anfang Juni eine neue PEARL Business Lounge eröffnet, die von dem britischen Unternehmen Menzies Aviation betrieben wird, das über umfangreiche internationale Erfahrung im Betrieb von Flughafenlounges weltweit verfügt.
Darüber hinaus wurden mehrere weitere Einrichtungen am Flughafen modernisiert, darunter die APRON Bar, die Jet Bar und die Flight Bar. Derzeit befinden wir uns in Gesprächen mit weiteren potenziellen Betreibern und werden die Öffentlichkeit informieren, sobald neue Angebote zur Eröffnung bereitstehen.
Zusätzlich planen wir eine Erweiterung der Parkflächen um weitere Stellplätze. Ein signifikanter Teil unserer Einnahmen wird zudem durch die allgemeine Luftfahrt sowie durch Frachtflüge generiert“, so Dušan Novota.
Ein kommerzieller Erlös von 8–14 Euro pro Passagier stellt mittelfristig ein realistisches Ziel dar und liegt im Bereich vergleichbarer regionaler Flughäfen in Europa. Professionelles Outsourcing sowie ein aktives Portfolio-Management bilden dabei die Grundlage für eine benchmarkfähige Diversifizierung der Einnahmequellen.
Frage 8: Operative Resilienz, Notfallplanung und Risikomanagement
Angesichts des Rekordwachstums und der starken Abhängigkeit von zwei großen Fluggesellschaften. Welche Notfall- und Kontinuitätspläne hat BTS für operative Störungen wie Slot-Engpässe, Wetterereignisse, Airline-Insolvenzen oder geopolitische Entwicklungen mit Auswirkungen auf den Ukraine-Transit. Wie werden die Systeme des Flughafens belastungstechnisch getestet.
„Dies ist in erster Linie eine Aufgabe des Flugsicherungsmanagements, konkret des staatlichen Unternehmens Air Navigation Services of the Slovak Republic (LPS SR), das die Überflüge im slowakischen Luftraum koordiniert. Glücklicherweise ist die Slowakei nicht von Flugsicherungsstreiks betroffen, wie sie in einigen europäischen Ländern vorkommen.
Die Verspätungen am Flughafen Bratislava waren in diesem Jahr geringer als im Vorjahr, als es aufgrund von Überlastungen im türkischen Luftraum zu Verzögerungen bei Flügen aus der Türkei kam. Unsere Verantwortung beschränkt sich jedoch auf die Bodenabfertigung und die Umläufe der Flugzeuge auf dem Vorfeld. Das Luftraummanagement selbst liegt außerhalb unseres direkten Einflussbereichs“, so Dušan Novota.
Die Konzentration auf wenige große Airlines erhöht jedoch das finanzielle Risiko im Falle von Insolvenzen, Basisreduzierungen oder geopolitisch bedingten Netzverlagerungen. Der Fokus auf robuste Ground-Handling-SLAs ist für einen regionalen Einbahnflughafen mit einer Start- und Landebahn sachgerecht und stellt einen angemessenen Ansatz zur operativen Absicherung dar.
Frage 9: EU-Infrastrukturfinanzierung – Positionierung im Rahmen der Connecting Europe Facility (CEF)
Die Slowakei strebt nach 2027 verstärkt EU-Fördermittel über die Connecting Europe Facility (CEF) an, deren Mittelvolumen deutlich erhöht wurde. Beantragt BTS Förderungen im Rahmen dieser Programme oder koordiniert entsprechende Infrastrukturprojekte. Inwiefern könnten CEF- oder Mittel aus dem Bereich Military Mobility geplante Erweiterungen beschleunigen?
„BTS beobachtet den CEF-Rahmen nach 2027 aktiv, einschließlich der erhöhten Mittelzuweisungen sowie des Finanzierungsfensters für militärische Mobilität. Der Flughafen Bratislava tritt derzeit zwar nicht als federführender Antragsteller für CEF-Förderungen auf, ist jedoch in Koordinations- und Vorbereitungsgespräche mit den zuständigen Ministerien, Infrastrukturbetreibern und grenzüberschreitenden Partnern eingebunden, um eine frühzeitige Abstimmung mit förderfähigen Projektpipelines sicherzustellen.
CEF-Förderungen, insbesondere im Bereich Verkehr und militärische Mobilität, könnten geplante Infrastrukturmaßnahmen erheblich beschleunigen. Dies würde eine frühere Umsetzung von Kapazitätserweiterungen ermöglichen, die duale Nutzung der Infrastruktur verbessern und durch Kofinanzierung großvolumige Investitionen risikoreduzieren. Auf diese Weise ließen sich Projekte schneller realisieren, die Resilienz, Interoperabilität und grenzüberschreitende Integration stärken, insbesondere dort, wo zivile und militärische Synergien bestehen“, so Dušan Novota.
Der Reifegrad der Projektpipeline ist dabei entscheidend. Dual-Use-Projekte im Bereich Cargo- und Vorfeldinfrastruktur passen klar zu den Kriterien von PESCO und zur strategischen Ausrichtung der NATO-Ostflanke und positionieren BTS überzeugend innerhalb des CEF-Förderpotenzials.
Frage 10: Digitale Transformation und „Smart Airport“-Roadmap
Über die seit 2018 eingeführten Touchscreen-Kioske hinaus. Welche Roadmap verfolgt BTS im Bereich fortgeschrittener Technologien wie biometrische Prozesse, A-SMGCS (Advanced Surface Movement Guidance and Control System), automatisierte Gepäcksortierung, Echtzeit-Analyse von Passagierströmen oder KI-gestützte operative Optimierung. Wo verortet sich BTS aktuell auf der „Smart Airport“-Reifegradskala?
„Seit 2019 sind an den Sicherheitskontrollen CTX-3D-Scanner im Einsatz. Sobald der Technologieanbieter einen entsprechenden Algorithmus bereitstellt, werden wir auch Flüssigkeiten über 100 ml im Handgepäck kontrollieren können.
Im Jahr 2026 planen wir zudem die Einführung von Self-Check-in-Einrichtungen für Ryanair-Flüge. Derzeit setzen wir fortgeschrittene KI-Technologien jedoch noch nicht in größerem Umfang ein“, so Dušan Novota.
Der indikative Reifegrad nach dem ACI-Smart-Airport-Modell liegt damit im integrierten Bereich, mit selektivem Fortschritt hin zu datengetriebener Steuerung von Passagierströmen. Die aktuelle CAPEX-Allokation ist der Größenordnung des Flughafens angemessen und vermeidet eine verfrühte Einführung hochautomatisierter Level-5-Lösungen, deren Nutzen bei regionalem Verkehrsprofil begrenzt wäre.
—
Der Flughafen Bratislava steht exemplarisch für ein diszipliniertes regionales Management in Mittel- und Osteuropa.
Die Netzwerkpositionierung von BTS hat ein Niveau erreicht, bei dem die 62 kombinierten internationalen Strecken den Flughafen faktisch als zentralen Verteilungsknoten für Mitteleuropa etablieren. Funktional ist diese Rolle mit sekundären Operationen großer Drehkreuze wie Wien-Schwechat oder Budapest Ferenc Liszt vergleichbar, jedoch bei gleichzeitiger Wahrung der Kostenstruktur und operativen Flexibilität eines Regionalflughafens.
Eine Auslegungskapazität von 5 Millionen Passagieren bietet im regionalen Vergleich einen substanziellen strukturellen Puffer gegenüber kapazitätsbeschränkten Wettbewerbern. Dies ermöglicht weiteres Verkehrswachstum ohne unmittelbare Terminalerweiterung und reduziert das kurzfristige Umsetzungsrisiko erheblich. Dieser Spielraum bezieht sich auf den jährlichen Durchsatz. Die Leistungsfähigkeit in Spitzenstunden bleibt hingegen von gezielten operativen Verbesserungen abhängig.
Die finanzielle Entwicklung spiegelt eine zunehmende operative Reife wider. Eine Marge von 1,04 Euro pro Passagier im Jahr 2024, unterstützt durch eine Reduktion der Energiekosten um 35 %, deutet bei einem Passagieraufkommen von rund 4 Millionen auf ein realistisches EBITDA-Potenzial von 4 bis 5 Millionen Euro hin. Voraussetzung dafür sind eine anhaltende Kostendisziplin sowie stabile Erlösstrukturen auf Airline-Seite.
Der Kapitaleinsatz erfolgt bewusst gestaffelt. Das Management priorisiert operative Optimierung und inkrementelle Kapazitätserweiterungen vor größeren Infrastrukturprojekten. Dadurch wird das Profitabilitätsfenster verlängert, gleichzeitig bleibt strategische Optionalität für eine spätere Kofinanzierung über die Connecting Europe Facility erhalten und das Kapitalrisiko wird begrenzt.
Aus Investoren- und ordnungspolitischer Sicht vereint BTS Netzwerkskalierung, Kapazitätsreserven und EU-Förderfähigkeit in einer Form, die den Flughafen klar von anderen regionalen Infrastrukturanlagen in Mitteleuropa abhebt. Der gewählte Wachstumspfad – operative Skalierung mit anschließenden gezielten Infrastrukturinvestitionen – ermöglicht ein belastbares mittelfristiges EBITDA-Profil und reduziert Expansionsrisiken durch den Einsatz öffentlicher Kofinanzierungsinstrumente.
Im institutionellen Benchmarking fungiert BTS inzwischen als Referenzfall für den Umgang mit Low-Cost-Carrier-Konzentration, die richtige Sequenzierung von Infrastrukturinvestitionen und die strategische Positionierung eines Regionalflughafens für den Zugang zu EU-Kapital. Dieses Modell bietet einen übertragbaren Rahmen für Flughäfen in der Ukraine, Polen und Tschechien, die ihr Wachstum nach der Erholungsphase unter begrenzten Kapitalbedingungen steuern müssen.
Strategische Kennzahlen 2026
Passagierziel: 3–4 Mio. (+25–66 % gegenüber 2024)
EBITDA-Ziel: 3–5 Mio. € (+20–100 % gegenüber 2024)
Investitionen: Fluggastbrücke sowie Ausbau der kommerziellen Flächen
EU-Fördermittel: CEF-Anträge (Cargo-Terminal, Vorfeld, bodengebundene Verkehrsanbindung)
—
Besonderer Dank gilt Dušan Novota, CEO und Vorsitzendem des Vorstands des Flughafens M. R. Štefánik Bratislava (BTS), für das großzügige Teilen seiner Einblicke in den Betrieb und die strategische Ausrichtung des Flughafens.
Mit Dank und Anerkennung
Viktoriia Hrechukha















